Heute hat Maria Reder einen „Spaziergang durch Friedrichshagen“ gemacht, um mir den gleichnamigen Kalender zu bringen, der in jedem Monat des Jahres 2014 eine ihrer malerischen Impressionen rund um den Müggelsee vorstellt. Die Künstlerin leitet die Friedrichshagener Malschule und bringt damit viele Menschen dazu, ihr kreatives Potenzial zu entfalten!
Eine Schriftstellerin
Am heutigen Gedenktag blättere ich in diesem Buch, in dem Anne Frank als eine Schriftstellerin mit eindrucksvollem Reflexionsvermögen erscheint: „Ich habe einen stark ausgeprägten Charakterzug, der jedem, der mich länger kennt, auffallen muss, und zwar meine Selbsterkenntnis. Ich kann mich selbst, bei allem, was ich tue, betrachten, als ob ich eine Fremde wäre. Überhaupt nicht voreingenommen oder mit einem Sack voller Entschuldigungen stehe ich dann der alltäglichen Anne gegenüber und schaue zu, was diese gut oder schlecht macht“, schreibt die 15-Jährige am 15. Juli 1944 in das Tagebuch, das als durchaus literarisch ambitioniertes Projekt gelten kann. (mehr …)
Eine Ecke für Literaturzeitschriften
„Schockieren Sie Ihren Buchhändler – fragen Sie nach einer Literaturzeitschrift!“ heißt es in der 250sten Nummer der „horen“: „Die Zeit, in der eine Buchhandlung, die etwas auf sich hält, eine Ecke für Literaturzeitschriften (und eine für Lyrik) reservierte, scheint vorbei – umso wunderbarer, dass es solche Buchhändlerinnen und Buchhändler dennoch und noch immer gibt!“
Ich war sehr erfreut, vom Herausgeber dieser Zeitschrift die Nachricht zu bekommen, dass der Schriftsteller Rolf Schneider (einer meiner Kunden aus Schöneiche) ihn darauf aufmerksam gemacht habe, dass in meiner Buchhandlung „die horen“ ausliegen. „In Zeiten, wo es nicht mehr selbstverständlich ist, dass Buchhandlungen auch Literaturzeitschriften führen, freut mich dies natürlich sehr – und ich wollte einfach Danke sagen“, schrieb mir Jürgen Krätzer.
Und nun hängt in der Zeitschriften-Ecke, die sich übrigens neben dem Lyrik-Regal befindet, auch noch ein schöner Zeitungshalter aus Holz, in den ein Exemplar von Europas Kulturzeitung „Lettre International“ eingespannt ist! Auch deren Redaktion hat entdeckt, dass es nun im Südosten Berlins eine literarische Buchhandlung mehr gibt.
Friedrichshagener Helden des Widerstandes
Am Lustgarten, vor dem Berliner Dom, erinnert ein Gedenkstein an die „Gruppe Herbert Baum“. Am 18. Mai 1942 unternahmen die kommunistischen Widerständler einen Brandanschlag auf die antikommunistische Propagandaausstellung „Das Sowjetparadies“ im Lustgarten. Herbert Baum und seine Frau Marianne waren seit 1939 im Widerstand aktiv und verhalfen versteckten Juden zur Flucht; beide wurden 1942 von den Nazis ermordet.
Ein kleines Denkmal für die Baums findet sich nun in einem Beitrag dieses soeben erschienenen Buches, dem auch zu entnehmen ist, dass Herbert und Marianne Baum in Friedrichshagen (Am Goldmannpark 53) wohnten. Doch: „Das Wohnhaus wurde umgebaut. Eine Gedenktafel fehlt.“
Dieses Buch gehört mir
Dieses Buch habe ich schon mindestens vier Mal durchgelesen. Durchgelesen ist eigentlich zu viel gesagt: meine Augen wanderten durch das Buch. (mehr …)
Sie reisen lieber?
In einem Jahrhundertbuch, das in unserer Buchhandlung stets vorrätig ist, der „Strudlhofstiege“, lese ich, „daß Verschwiegenheit schon an und für sich eine Macht darstelle durch den Vorsprung, den jede wie immer geartete Kenntnis gewährt, die man nicht mit anderen teilt“. Ich möchte mich nun einmal nicht an Doderer halten, sondern meine Kenntnis mit Ihnen teilen: es gibt in dieser Buchhandlung endlich eine Reiseführer-Abteilung! Hier können Sie also dem Wien-Führer entnehmen, dass die Strudlhofstiege zu den „Highlights Wiener Jugendstil“ gehört: „Als Schauplatz für den gleichnamigen Roman Heimito von Doderers erlangte sie Berühmtheit.“ (mehr …)
Das müssen Sie lesen
Ich gebe zu: ich habe am Wochenende zu wenig in Büchern gelesen. Ich habe ausnahmsweise einmal mehr in Zeitungen gelesen. Christopher Schmidt schaut sich in der „Süddeutschen“ die sogenannte „Shortlist“ des Deutschen Buchpreises an: „Mittelmaß ist eben Konsens in der Blase des deutschen Literaturbetriebs“, schließt er daraus. Bei unseren „Literaturkritikern und in Literaturpreisjurys so beliebt“ sei eine Romanproduktion, die „das Literarische effekthascherisch und aufdringlich vor sich her“ trage, heißt es bei Julia Encke in der „FAS“, während „Romane, die in einer eher amerikanischen Tradition stehen, mit einer direkten, unverstellten oder hart analytischen Sprache erzählt sind, für Literaturpreise oft nicht in Frage kommen“.
Ich gebe auch zu: Sie, liebe Kundinnen und Kunden, habe mir in den letzten Wochen immer wieder eine Freude bereitet, wenn Sie zu meinen Favoriten gegriffen haben, zu modernen Klassikern der angelsächsischen Literatur wie F. Scott Fitzgerald und Ernest Hemingway, Patricia Highsmith, Ian McEwan und William Boyd.
Und jetzt freue ich mich auf die Neuausgabe des letzten Romans des großen John Cheever – den müssen Sie lesen!
Aikido für Alle
Vor gar nicht allzu langer Zeit begegnete mir der Begriff des Aikido in einem Buch, welches unser Sortiment an Literatur zur Lebenskunst bereichert: Rudolf zur Lippe behandelt in „Das Denken zum Tanzen bringen“ Aikido als einen besonderen Weg zum Bewegungsbewusstsein.
Wenige Tage später betrat die freundliche Frau Bermes meinen Laden, der ich auf den ersten Blick nicht ansah, dass sie als Meisterin dieser Kampfkunst gilt. Sie empfahl mir „Das Aikido-Prinzip“, das ich daher in unser Sortiment aufgenommen habe; in diesem Buch bringen Robert Burdy und Philippe Orban hilfreiche Anregungen, mit Machtkämpfen und Entscheidungsdruck entspannter umzugehen, als es der Turbokapitalismus uns gestatten will. Mir und Ihnen, liebe Kunden und Leser, möchte Frau Bermes das „Aikido-Prinzip“ nun gerne persönlich nahebringen.
Am kommenden Donnerstag, dem 26.September, werden Sie also ab 19 Uhr in unserer Buchhandlung eine kompetente Einführung in das Aikido erleben können. Anschließend wollen wir einer Vorführung des Vereins Aikido am Müggelsee in der benachbarten Turnhalle beiwohnen. Der Eintritt ist frei.
Von existenzieller Dringlichkeit
Das Alphabet eines Lebens, von der Tochter ihrem verstorbenen Vater nachempfunden, einem schwierigen Vater:
„Wenn es ihm schlecht ging, wusste er nicht mehr, wer er war; und jetzt, wo er niemand mehr sein wollte, fand er etwas wieder wie die große Gesundheit, die man den Abgründen abgerungen hat, der Atemnot, der Erschöpfung, diejenige, die man gewinnt, wenn man seinen Dämonen begegnet ist und, sei es auch nur einmal und mochte man dabei sein Leben aufs Spiel gesetzt haben, dem gegenübergetreten ist, was größer ist als man selbst. (mehr …)
Roh und unverfälscht
James Weinbach, 17 Jahre alt, Protagonist des Romans, besucht die Osborne Highschool in der fiktiven Stadt Vandalia, deren Name alles andere als ein Zufallsprodukt ist. Eine Schule voller pubertierender Jugendlicher, die nichts anderes als den Trieb zur Fortpflanzung im Sinn haben und deren Ausdrucksweise vor Vulgarität strotzt. Wer nicht Teil dieser Glaubensgemeinschaft ist, dem drohen Prügel oder totale Isolation. James ist Teil dieser Schule, geistig jedoch weit entfernt von ihr – von seinen Altersgenossen entfremdet. (mehr …)