Auf den Tag vor einem halben Jahr ist Martin Walser gestorben. Die aktuelle Ausgabe von SINN UND FORM bringt eine Abschiedrede von Iris Radisch, in welcher sie den Dichter vom Bodensee als verkannten Denker würdigt, der die Größe gehabt habe, auf der Kleinheit des eigenen Ichs zu bestehen. Mit seinem Helden Kierkegaard verband ihn nämlich die Leidenschaft, nur solche Ideen anzuerkennen, die sich lebendig empfinden ließen; spekulative Gedankengebäude lehnte er ab.
Martin Walsers Gedankenwelten konnten und wollten keine intellektuelle Diskurshoheit beanspruchen. Hier sprach jemand so, wie er empfand, hält Radisch fest und benennt in dieser Hinsicht Robert Walser und Franz Kafka als seine weiteren Leitsterne.
Nichts ist ohne sein Gegenteil wahr. Marin Walser war, das unterschlägt Iris Radisch, auch ein eifriger Nietzsche-Leser. Bei letzterem hieß es nämlich, dass der gefährlichste Feind der Wahrheit nicht die Lüge sei, sondern die Überzeugung!
Es ist eines der Bücher, die seit Jahrzehnten im Buchhandel präsent sind: „Hallo, Mister Gott, hier spricht Anna“ (Fischer Taschenbuch, 11 Euro). Anna ist, nicht viel anders als der kleine Jesus, ein Findelkind, das mit seinen weise-witzigen Bemerkungen die Erwachsenen immer wieder in Erstaunen versetzt, wenn nicht gar aus der Fassung bringt.
„Ich aber meine, dass man die Bücher, die während der Zeit ihres Entstehens nicht gelesen werden müssen (und zwar: von unsereinem nicht gelesen werden müssen), später nicht mehr für die bedeutendsten halten wird und vielleicht überhaupt nicht für bedeutend. (Später, wenn das Geschwätz — »den Geist der Epoche ausdrücken« und so; als ob die Aufgabe der Literatur darin bestünde, mit Radio, Film und Presse zu wetteifern — wieder einmal vorüber sein wird.)“
„Im Reich der Wildpflanzen“, dem Erpetal also, unterwegs sein können Sie mit Susanne Herrmann, die Ihnen diese Wanderung als eine von 33 „Auszeiten für die Seele“ in und um Berlin nahe bringt (Polyglott-Verlag, 18,99 Euro). Die Autorin ist als Wanderführerin und Naturpädagogin aktiv. „Bevor Sie das Smartphone zücken, schauen Sie erst einmal selber ganz genau hin“, um die „Wildpflanzen mit allen Sinnen“ kennenzulernen, rät sie.