Die Panik der Kreatur

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Es gibt Bücher, die laufen irgendwie unter dem Radar. Nicht großartig beworben, nicht vom Verlag gehypt, von der Kritik weitestgehend unbemerkt, unbesprochen, stehen sie still, unaufdringlich und bescheiden zwischen hundert anderen im Regal in der Buchhandlung und harren derer, die sie beim ziellosen Stöbern bemerken mögen, einem Impuls folgend mitnehmen und dann für immer lieben.

Einzelgänger Männlich ist ein solches Buch.

Bereits 1939 erstmals veröffentlicht und in der Folge immer mal wieder aufgelegt, ist mir seine Existenz bis zum Jahr 2018 verborgen geblieben, als ich es erstmals in die Hand nahm, angezogen, fasziniert von dem Kopf eines Mannes mit schreckgeweiteten Augen und angstvollem Blick, gemalt im Stil alter Filmplakate oder reißerischer Groschenromane, der den Umschlag des Buches ziert.

Seitdem geht dieses von mir erworbene, am Stück verschlungene – inzwischen sicher schon vollkommen zerlesene – Exemplar von Hand zu Hand, weil jeder, der es mit angehaltenem Atem an einem Abend durchgelesen hatte, es mit einem Ausruf der Begeisterung an einen Freund oder eine Freundin weitergegeben hat. (mehr …)

Dem Leben ausgeliefert

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42482Wer sich für Menschen interessiert, der beginnt irgendwann zwangsläufig, sich auch für deren (Straf-)Taten zu interessieren, denn nirgendwo tritt das Menschliche im Menschen so unmaskiert, deutlich und unverstellt zu Tage, wie in seinen Verbrechen. Das wusste auch Uwe Nettelbeck, ehemals Reporter für die Zeit, in dessen Gerichtsberichten man nicht nur von so spektakulären Prozessen wie den gegen den „Kirmesmörder“ Jürgen Bartsch oder den Brandstifterprozess gegen Andreas Baader und Gudrun Ensslin liest; man liest von Menschen, geprägt von der Zeit, in der sie leben, und dem Leben ausgeliefert, das sie haben. (mehr …)

Am 16. Juni ist Bloomsday

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45816Der Tag, an dem im Jahre 1904 Leopold Bloom durch Dublin geht und diese Stadt erlebt. Im „Ulysses“. Von Joyce.

„Waaas? Dieses Buch spielt an EINEM Tag?? Das ist ja so dick!“ so fragt mein Sohn.

Ja, 1014 ½ Seiten liegen einem hier vor – Dünndruck. In früheren Ausgaben sind es fast 1600.

„Wie ist das möglich? Ist das nicht langweilig?“ (mehr …)

„Abenteuer/P18“ oder: „3 Küsse, 4 Backenzähne und eine Hochzeit beim Papst“

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„Noch einmahl sattelt mir den Hippogryfen, ihr Musen, / Zum Ritt ins alte romantische Land!“

Wer sich traut, dem Dichter, der nach eigener Aussage von einem „holden Wahnsinn“ befallen ist, auf dieser phantastischen Reise zu folgen, der bekommt – schon die ersten sieben Strophen dieses Versepos beleuchten, was danach entfesselt wird – eine Rittergeschichte zu hören, die keine Wünsche offen lässt:  (mehr …)

Eine Stimme gegen das Vergessen

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„Freuds Schwester“ ist nicht das erste Werk des hierzulande noch wenig bekannten, aber durchaus beachtenswerten mazedonischen Autors Goce Smilevski, der, 1975 in Skopje geboren, in Prag und Budapest Kulturwissenschaften studierte; es ist 2011 mit dem European Union Prize for Literature ausgezeichnet und in dreißig Sprachen übersetzt worden. Es ist die fiktive Autobiografie einer von Sigmund Freuds vier Schwestern, der kinderlosen, unverheirateten Adolfine. (mehr …)