Ob wir uns halten können in der Masse

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Wie schwer ein Menschenleben wiegt, so heißt das Buch von Maren Gottschalk über das kurze und doch reiche Leben der Sophie Scholl (Beck, 24 Euro). An diesem Sonntag feiern wir ihren 100. Geburtstag; heute ist die Widerstandskämpferin überall zum Vorbild für junge Frauen geworden (Good Night Stories for Rebel Girls, 100 außergewöhnliche Frauen, Hanser, 24 Euro). Olga Misik, eine 19-jährige Russin, liest der Polizei die Verfassung des Landes vor, die Staatsanwaltschaft will das mit 2 Jahren Gefängnis bestraft sehen; die Demonstrantin sagt, ihr Vorbild sei Sophie Scholl.

An Sophie Scholl, die durchaus nicht selbstsüchtig war, sondern von Selbstzweifeln geplagt den Glauben an das Gute im Menschen suchte, hat mich der weite geistige Horizont beeindruckt, den sie während ihrer kurzen Lebensdauer in sich aufnehmen konnte. Die Gerechtigkeit bedeutete ihr mehr als die Loyalität. Sie war heiter, aber auch verschlossen. Blaise Pascal las sie besonders gern, berichtet ihre Biografin: seine Logik des Herzens war ihr wesentlich.

Ein kleines Selbstportrait habe ich in dem folgenden Wort von Sophie Scholl gefunden: Aber im Grunde kommt es ja nur darauf an, ob wir bestehen, ob wir uns halten können in der Masse, die nach nichts anderem als nach Nutzen trachtet.