Die Panik der Kreatur

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Es gibt Bücher, die laufen irgendwie unter dem Radar. Nicht großartig beworben, nicht vom Verlag gehypt, von der Kritik weitestgehend unbemerkt, unbesprochen, stehen sie still, unaufdringlich und bescheiden zwischen hundert anderen im Regal in der Buchhandlung und harren derer, die sie beim ziellosen Stöbern bemerken mögen, einem Impuls folgend mitnehmen und dann für immer lieben.

Einzelgänger Männlich ist ein solches Buch.

Bereits 1939 erstmals veröffentlicht und in der Folge immer mal wieder aufgelegt, ist mir seine Existenz bis zum Jahr 2018 verborgen geblieben, als ich es erstmals in die Hand nahm, angezogen, fasziniert von dem Kopf eines Mannes mit schreckgeweiteten Augen und angstvollem Blick, gemalt im Stil alter Filmplakate oder reißerischer Groschenromane, der den Umschlag des Buches ziert.

Seitdem geht dieses von mir erworbene, am Stück verschlungene – inzwischen sicher schon vollkommen zerlesene – Exemplar von Hand zu Hand, weil jeder, der es mit angehaltenem Atem an einem Abend durchgelesen hatte, es mit einem Ausruf der Begeisterung an einen Freund oder eine Freundin weitergegeben hat. (mehr …)

Der Roman Thomas Manns

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9783406653872„Immerhin doch eine schöne Mühe in der Sprache. Wo findet man dergleichen noch?“ Hans Pleschinski setzt in diesem Roman Thomas Mann (und seiner literarischen Sprache) ein Denkmal, das uns den Jahrhundertschriftsteller als den großen Unnahbaren vorführt, den letzten Repräsentanten des deutschen Bürgertums, den letzten auch, der noch wusste, was ein Roman ist. (mehr …)

Ohne Bücher geht es nicht

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Jean_Paul_Sartre_Die_Woerter„So hat es mit mir angefangen“, heißt es in diesem Buch, das mich vielleicht am tiefsten geprägt hat: „Ich habe mein Leben begonnen, wie ich es zweifellos beenden werde: inmitten von Büchern. […] Ich blieb allein, entschlüpfte dem banalen Friedhof und kehrte zurück zum Leben, zum Wahnsinn in den Büchern.“  (mehr …)

Das Jahr der schwachen Nerven

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knvmmdb„Über dem Atlantik befand sich ein barometrisches Minimum;“ dieser Halbsatz, beschlossen durch ein Semikolon, ist sicherlich einer der berühmtesten Romananfänge der Literaturgeschichte. Aber den schönen Augusttag des Jahres 1913, mit dem Musil seinen Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“ beginnen lässt, gab es nicht – im Gegenteil, der August des Jahres 1913 wird der kälteste des gesamten 20. Jahrhunderts, erfährt der Leser aus Florian Illies‘ „1913. Der Sommer des Jahrhunderts“. (mehr …)